
Wer auf einer Ferieninsel lebt, wie ich auf Mallorca, kommt wahrscheinlich kaum auf die Idee, hier einmal selbst Urlaub zu machen. Aber genau das möchte ich heute vorschlagen.
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, gelegentlich einmal ein, zwei Nächte oben auf einem Berg in einem der schönen alten Klöster Mallorcas zu verbringen, oder vielleicht sogar ein langes Wochenende?
Die meisten Klöster auf Mallorca stehen heutzutage leer. Die Mönche sind abgewandert, weil sie unter Mangel ihres Nachwuchses leiden. Die schönen Klöster sind aber noch da und sind auch meist sehr romantisch gelegen. Viele der mallorkinischen Klöster bieten schon seit Längerem eine Beherbergung in einfachen Räumen in den ehemaligen Mönchszellen an. Eine tolle Sache, glauben Sie mir.
Es gibt etwa 30 Klöster und Einsiedeleien auf Mallorca, ohne die in der Inselhauptstadt Palma mitzuzählen. Zehn dieser ländlich gelegenen Refugien bieten Unterkünfte an, soweit ich das feststellen konnte. Fünf davon will ich heute für einen Kurzurlaub etwas beschreiben.
Einige dieser Herbergs-Klöster bestehen auf einem Mindestaufenthalt von drei Nächten, je nach Jahreszeit. Die Unterbringung mag manchmal sehr einfach sein, aber gerade das kann ja auch einmal seinen besonderen Reiz ausmachen. Hier und da muß man vielleicht sein Bett selber machen, und nicht alle Klöster haben immer eine Dusche oder heißes Wasser parat, aber bei Preisen von 15 € bis 30 € pro Nacht und pro Person erwartet man auch nicht allzuviel Luxus.
Was die Klöster an Komfort vermissen lassen, gleichen sie an guten Aussichten wieder aus. Als Bonus findet man stattdessen jedes Mal die immer schwieriger zu findenden Vorzüge von Einsamkeit, Ruhe und Seelenfrieden.
Kurz hinter Llucmajor erhebt sich aus der zentralen Ebene Mallorcas der Randa-Berg, der leider durch eine häßliche Radaranlage entstellt wird. Hierhin hat sich 1275 der mallorkinische Mystiker Ramon Llull zurückgezogen, um seine erste Einsiedelei zu gründen, als er nach einer Midlife-Krise wieder zu sich fand. Nehmen Sie sich ruhig die Zeit und besichtigen Sie auch das Llull-Museum. Es lohnt sich, etwas über diesen großen Mallorkiner und Denker zu erfahren.
Sie müssen nun nicht unbedingt auf Ihre eigene Midlife-Krise warten, um ein paar Nächte im Kloster von Nuestra Señora de Cura (540 m hoch gelegen) oberhalb Randas zu verbringen. Während Sie dort vielleicht Ihr Picknick auf der Klosterterrasse von Cura genießen und die Lichter Palmas in der Ferne bewundern, und mit ein bischen Glück auch einen der schönsten Sonnenuntergänge Ihres Lebens, kommen Sie sich vielleicht vor wie in einer anderen Welt.
Die Unterbringung in Cura ist mehr als befriedigend; die Lage ist wirklich sehr romantisch (Telefon 971.120.260). Es gibt noch zwei weitere Klöster bzw. Einsiedeleien auf dem gleichen Randa-Berg, die aber nicht über Unterkunftsmöglichkeiten für Besucher verfügen.
Dreißig Minuten weiter östlich kommen Sie zur Stadt Felanitx. Das Kloster von Felanitx heißt Santuario de Sant Salvador und thront außerhalb der Stadt majestätisch in einer Höhe von 510 m. Die Ursprünge dieses Klosters gehen zurück bis 1348, als hier schon eine Kirche eingeweiht wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde dann die heutige Klosterkirche gebaut und eine Statue der Jungfrau von Sant Salvador wurde über dem Altar platziert. Diese Marienstatue wird schon seit dem Ende des 15. Jahrhunderts von den Einwohnern von Felanitx verehrt.
Die ehemaligen Mönchszellen von Sant Salvador wurden vor Kurzem umfangreich renoviert und sind jetzt viel komfortabler als früher. Erwarten Sie bitte keinen 4-Sterne-Hotel-Luxus, aber Einsamkeit, Seelenfrieden und Ruhe dürfen Sie hier erwarten, ebenso wie fabelhafte Aussichten vom Kloster aus über fast die halbe Insel. Freuen Sie sich schon jetzt über eine köstliche Lammkeule, eine Paella oder über Sopas Mallorquines, die mittags auf der Speisekarte stehen (Telefon 971.827.282).
Von Felanitx nach Petra ist es nur ein kurzer Weg. Das eher verschlafen wirkende Dorf mit den ockerfarbenen Häuser ist fast so, wie es gewesen sein muß, als ein anderer Mallorkiner, Junípero Serra, hier im 18. Jahrhundert aufwuchs. Serras Geburtsort beherbergt nun ein Museum zu seinen Ehren. Die Straße, die zu seinem Geburtshaus führt, ist mit Bildern aus Keramikkacheln geschmückt, die den späteren Missionar Serra zeigen, der hier in Petra aufgewachsen war, um dann später in Übersee die kalifornischen Missionen, wie z. B. San Diego und Los Angeles, zu gründen.
Auf einem Hügel über dem Dorf steht die Ermita de Bonany (317 m), wo Serra seine letzte Predigt vor seiner Reise über den Atlantik hielt. Die Kirche von Bonany wurde von den Dorfbewohnern 1609 gebaut als Dank für die gute Ernte nach einem Bon Any (gutes Jahr), nachdem sie während einer vorhergegangenen Dürreperiode für Regen gebetet hatten. Ein ebenfalls himmlisches Kloster, das Ihnen komfortable Unterkunft bietet, sollten Sie das irgendwann einmal wünschen (Telefon 971.826.568).
Das Kloster von Lluc liegt 550 m hoch in den Tramuntana-Bergen und ist Mallorcas bekanntester Wallfahrtsort. Dieses Kloster ist ein Ort, an dem traditionellerweise viele Hochzeiten geschlossen werden und auch ein populärer Ort für Pilgern, die nicht unbedingt fromm im herkömmlichen Sinn sein müßen. Zweimal täglich singt hier der weltberühmte Blavets Knabenchor; einmal um 11h15 (Sonntags um 11h00) für die Bustouren, die von den Urlaubsorten an der Küste kommen, und das zweite Mal am frühen Abend für diejenigen, die über Nacht bleiben wollen.
Das Kloster-Museum von Lluc ist täglich von 10h00 bis 17h30 geöffnet. Und falls Sie sich hier ein oder zwei Nächte gönnen wollen, gibt es viele der alten Mönchszellen, die seither in zeitgemäße Unterkünfte umgewandelt wurden. Auch einen Besuch der Kloster-Gaststätte dort sollten Sie nicht verpassen. Sie würden es nicht bereuen (Telefon 971.871.525).
In Lluc kann man sich schwerlich einsam fühlen. Die Klosteranlage ähnelt einem kleinen Dorf, mit Souvenirgeschäften, Banken und Restaurants. Man ist in einem modernen Pilgertrakt untergebracht, mit Schlafräumen samt eigenem Bad. In den umliegenden Bergen und Tälern bieten sich zahlreiche Wanderwege für Kurztouren an, die alle gut gekennzeichnet sind. Von den genannten Klöstern können Sie in Lluc nach meiner Meinung das beste Essen genießen.
Zu guter Letzt empfehle ich einen Besuch in der Einsamkeit der Ermita de la Victòria (400 m), in der Nähe von Alcúdia. Diese ehemalige Einsiedelei hat einen besonderen Charm wegen ihrer Lage auf der Halbinsel von La Victòria, wo phantastische Aussichten, eine ausgezeichnete Unterbringung, Seelenfrieden und eine wirklich gute Verpflegung garantiert sind. Die Einsiedelei birgt eine hölzerne Statue aus dem 15. Jahrhundert zu Ehren der Jungfrau Victòria, der Schutzheiligen Alcúdias (Telefon. 971.545.395).
Jede Jahreszeit eignet sich auf Mallorca für einen kurzen Klosteraufenthalt. Ich halte aber Oktober oder Mai klimatisch für besonders angenehm. Dann ist die Insel auch touristisch noch nicht – oder nicht mehr – überlaufen.
Alle angegebenen Klöster sind auch für Ein-Tages-Ausflüge gut geeignet, falls Sie doch für einen Kurzurlaub zu beschäftigt sein sollten. Aber schade wäre das schon.
Genießen Sie einen Besuch in einem der Klöster, so oder so.