
Die Orangenzeit hat begonnen.
Zitrusfrüchte werden im Winter reif, rechtzeitig vor Weihnachten.
Ich könnte jetzt etwas zum Besten geben über die Kunst des Gartenbaus oder über andere botanische Erkenntnisse. Stattdessen habe ich beschloßen, Ihnen ein Rezept zur Herstellung eines Orangenlikörs zu kredenzen.
Zugegebenermaßen ist das kein spanisches Rezept, wie es auf diesem Spanien-Blog eigentlich angebracht wäre, sondern es kommt aus Frankreich. Aber erstens ist das nicht allzuweit von hier, zumindest der Süden Frankreichs rund um das Mittelmeer, und zweitens will ich versuchen, die Zutaten dieses Rezeptes Spanien oder Mallorca anzupassen, wo immer das nur geht.
Nehmen Sie drei oder vier mallorkinische Orangen, die jetzt in voller Reife sind. Am besten wären Orangen aus dem Tal von Soller, aber andere mallorkinische (oder auch spanische) Orangen tun es auch. Sie sollten nur saftig und frisch sein. Das Fruchtfleisch muß fest sein, und sie dürfen nicht gespritzt sein. Machen Sie einige tiefe Einschnitte, vielleicht ein Dutzend, durch die Schale bis in das Fruchtfleisch hinein. Stecken Sie jeweils eine geröstete Kaffeebohne in jeden Einschnitt, etwa so, wie man Knoblauchzehen in eine Lammkeule stecken würde.
Legen Sie die behandelten Orangen in ein großes Glasgefäß mit einem guten Verschluß (ein Einmachglas wäre gut, am besten ein großes für 1 Liter). Kaufen Sie ein Paket Zuckerstücke. Packen Sie 88 Zuckerstücke auf die Orangen (das Rezept heißt “Quarente Quatre” [44] und man nimmt in Frankreich nur 44 Zuckerstücke, aber dort ist der Zucker größer als bei uns, und deshalb verdoppeln wir die Menge).
Kaufen Sie eine Flasche Tresterbrand, Marc, Grappa, oder Eau de Vivre von guter Qualität. Weil wir aber in Spanien leben, empfehle ich lieber den spanischen Orujo, der ebenso aus Traubentrester gewonnen wird, einem Abfallprodukt aus der Weinherstellung.
Gießen Sie den Orujo über die Orangen und den Zucker. Verschließen Sie das Einmachglas. Verwahren Sie das Gefäß an einem dunklen und trocknen, nicht zu warmen Platz in Ihrer Wohnung. Warten Sie 44 Tage. Sieben Sie die Likörflüssigkeit in eine Glasflasche, am Besten in eine, die einen gläsernen Propfen hat.
Ihr Cointreau-ähnliches Getränk wird leider nicht fertig sein, um nach dem diesjährigen Weihnachtsbraten schon einmal verkostet zu werden, aber das wird die Freude an Ihren Braukünsten kaum schmälern, denke ich. Mir hat die Herstellung meines ersten “Quarente Quatre” jedenfalls viel Spaß gemacht.
Wenn dann bis zum nächsten Herbst noch etwas übrig sein sollte von dem Orangen-Kaffee-Orujo, dann sollten Sie Ihren Likör einmal über frischen Feigen probieren. Ich werde Sie aber noch rechtzeitig daran erinnern. Prost jedenfalls.
Trinken Sie mäßig. Bleiben Sie verantwortungsvoll. Und fahren Sie nicht, wenn Sie etwas getrunken haben.

