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Eine Reise von Sa Mola nach La Mola

27 Oktober 2007 · Kommentar schreiben

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Die Kunst des Reisens ist eine wunderbare Beschäftigung, die sich leider in unserer von Unrast geprägten Zeit immer mehr verliert. Früher war Langsamkeit noch eine Tugend, und Reisen war eine Sache des Unterwegs-Seins, während es heute meistens eine Sache des Abfliegens und des schnellen Ankommens geworden ist. Das Dazwischen des Reisens, die Reisestrecke, ist irgendwie abhanden gekommen.

Hier auf den Balearischen Inseln gibt es einen Reisenden namens Carlos Garrido, für den die Sache des Reisens noch eine Frage des Genußes ist. Er ist ein Schriftsteller und Journalist, der unter dem Titel ‘De Mola a Mola’ einen Reisebericht veröffentlicht hat, in dem er uns von einer ungewöhnlichen Reise berichtet, die er vor wenigen Jahren unternommen hat.

Carlos Garridos Reise führte ihn über alle vier der großen Balearischen Inseln, von der östlichsten Spitze Formenteras, einem Leuchtturm namens Sa Mola, über Ibiza quer durch die Insel Mallorca, bis zu dem östlichsten Punkt Menorcas, der ebenfalls La Mola genannt wird. 

Dies ist ein Buch, das ich allen Liebhabern des Balearischen Archipels empfehlen möchte, zumindest denen, die des Spanischen mächtig sind. Falls Sie auch noch das Reisen im hergebrachten Sinn lieben und eine Neigung haben, sich abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen, dann ist dies sicher eine stimulierende Lektüre für Sie.

Carlos Garrido begann seine Reise vom Leuchtturm Sa Mola aus, am äußersten östlichen Ende von Formentera, der kleinsten der Balearischen Inseln. Vom Leuchtturm aus können Sie dort einen der schönsten Sonnenaufgänge der Balearen erleben. Pilar de la Mola im Südosten der Insel ist der höchstgelegene Punkt Formenteras und ist für seinen Hippiemarkt bekannt.

Formentera ist die kleinere der beiden bewohnten Inseln, die zur Gruppe der Pityusen zählen. Die Insel liegt etwa 20 km südlich von Ibiza. Formentera ist nicht ganz 20 km lang und wird von etwas mehr als 8.000 Einwohnern bewohnt. Die Insel ist kaum 82 qkm groß, ist von den vier Balearischen Inseln sicher das am wenigsten hektische Eiland und steht fast ein bischen im Schatten ihrer größeren Schwesterinsel Ibiza.

Carlos Garrido trat seine Reise in einem Fiat Panda an. Von Sa Mola fuhr er über Es Caló und San Francesc de Formentera, die Inselhauptstadt, nach Sa Savina, dem einzigen Passagierhafen Formenteras. Von Sa Savina aus nahm er die Fähre und gelangte so nach Ibiza-Stadt auf der Insel Ibiza, von den Einheimischen auch Eivissa genannt. Die Schnellfähre braucht nur 25 Minuten für die Strecke nach Ibiza, nimmt aber keine Autos mit. Die Autofähre ist 60 Minuten lang unterwegs.

Von Ibiza-Stadt ging die Reise weiter über Sant Josep de sa Talaia nach Sant Antoni de Portmany an der Nordwestküste Ibizas. Falls Sie nicht unbedingt Carlos Garridos Reise nachfahren wollen, schlage ich vor, stattdessen nach Santa Eulàlia del Riu und weiter im Norden nach Portinatx zu fahren, wie ich das gemacht habe. Sant Antoni de Portmany ist reichlich touristisch und sehr kommerziell und hat auch nicht mehr das Ursprüngliche, das es vor 30 Jahren noch hatte. Portinatx hingegen ist noch nicht allzu verbaut und verfügt in der näheren Umgebung über die schönsten Buchten der Insel.

Carlos Garrido fuhr von Sant Antoni de Portmany nach Santa Eulàlia del Riu, und fuhr von dort zurück nach Ibiza-Stadt und Dalt Vila, ehe er dann erneut eine Fähre nahm, jetzt aber ohne Auto, um nach Palma de Mallorca zu reisen. Die Schnellfähre benötigt etwa 130 Minuten für die Strecke von Ibiza nach Palma.

Über Palma und über die Insel Mallorca muß ich Ihnen wahrscheinlich nicht allzuviel erzählen, nur soviel sei gesagt: Carlos Garrido nahm den Zug von Palma über Inca nach Sa Pobla. Falls Sie Sa Pobla noch nicht kennen, wäre das auf jeden Fall einen Ausflug wert, weil man dort ein ganz anderes Mallorca kennenlernen kann, als das gemeinhin bekannte, ein Mallorca fast ganz ohne Touristen.

 

Auch hier müssen Sie nicht unbedingt auf den Spuren Carlos Garridos wandeln. Sie können sich die Insel am Besten von einer Seite zeigen lassen, die Sie noch nicht kennen. Vielleicht machen Sie einen Abstecher nach Algaida, Petra oder Sineu. Eine relativ neue Radfahr-Route ist sehr gut beschildert und führt über wenig befahrene Nebenstraßen durch das Inselinnere, das sogenannte Pla. Das Inselinnere ist kaum von Bergen bestückt, so daß eine Radtour nicht allzu anstrengend sein dürfte.

Auf jeden möchte ich Ihnen eine Strecke mit der Bahn an’s Herz legen. Sie können, wie der Autor des Buches, über Inca nach Sa Pobla fahren, Sie können aber auch von Palma über Inca nach Manacor fahren. Diese Strecke war zur Zeit der Garrido-Reise noch nicht eingeweiht, ist es nun aber, und ich halte diese Strecke für eine absolute landschaftliche Wohltat.

Carlos Garrido bestieg in Sa Pobla den Bus nach Alcúdia, von wo aus er das Marschland von Albufera und die Playas de Muro besuchte. Albufera ist ein Vogelbrutgebiet, das unbedingt einen Ausflug wert ist. Von Albufera aus ist Garrido nach Port d’Alcúdia gewandert. Ich selbst habe dies noch nicht getan, kann mir aber vorstellen, daß das eine schöne Strecke ist. In Port d’Alcúdia bestieg Garrido die Fähre nach Ciutadella, der früheren Hauptstadt Menorcas. Die Überfahrt mit der Schnellfähre dauert heute kaum 95 Minuten.

 

Von Ciutadella aus nahm er den Bus nach Maó, oder Mahon, wie wir es noch nennen, über Es Mercadal und Alaior. Maó ist die jetzige Hauptstadt Menorcas, die sich durch einen kilometertiefen, schmalen Hafen auszeichnet. Von Alaior aus empfehle ich einen Abstecher nördlich nach Fornells, wo Sie sich einen ausgezeichneten Fisch servieren lassen sollten.

Von Maó aus ging Garridos Reise weiter über Sant Lluís nach Es Castell, ehe er sich auf den Weg nach dem anderen La Mola machte, wahrscheinlich, um dort den Sonnenaufgang mit dem von Formentera zu vergleichen. Auf jeden Fall beendete er hier seine schöne und besondere Balearen-Reise. Hier endet auch sein Reisebericht, der mich zumindest angeregt hat, seine Reise einmal, in etwa wenigstens, nachzuahmen. 

 

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Das 86-seitige Buch von Carlos Garrido wurde herausgegeben von Edicions La Foradada, Palma (2003).

 

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