Die Kathedrale in Palma de Mallorca, vor Ort als La Seu bekannt, ist ein imposantes Beispiel gothischer Architektur. Die meisten Kathedralen sind schöne Beispiele guter Architektur, aber die Kathedrale in Palma besticht durch ihre einzigartige Lage direkt an der Uferpromenade Palmas in einer leicht erhöhten Position.
La Seu wurde ursprünglich über einer arabischen Moschee errichtet. Nach der Reconquista der Insel aus den Händen der Mauren wurde der Bau 1230 im Auftrag von König Jaume II. begonnen, aber erst 1601 fertiggestellt.
Ein Besuch der Kathedrale ist aus mehreren Gründen lohnenswert. Zum einen finden sich hier im Innenausbau zahlreiche Beispiele des genialen katalanischen Künstlers und Architekten Antoní Gaudi, der für seine Sagrada Familia in Barcelona bekannt ist. Gaudí arbeitete fast 10 Jahre auch in der Kathedrale Palmas. Er sorgte für die elektrische Beleuchtung im Kirchenschiff, er schuf den Altarbereich mit seinem schönen Baldachin, und er kreierte viele andere Details, die einen Besuch der Kathedrale Palmas zu einem Erlebnis machen.
Wenn Sie die Kathedrale nicht schon vor Kurzem besucht haben, dann sollten Sie das bald einmal tun. Denn es gibt neuerdings noch einen weiteren wichtigen Grund, die Kathedrale in Palma zu besuchen.
Im Frühjahr dieses Jahres weihte das spanische Königspaar, Juan Carlos I. und Reina Sofía, eine Kreation des mallorkinischen Künstlers aus Felanitx, Miquel Barceló, in der Kathedrale ein: die Sankt-Peter-Kapelle. Barceló hat für diese Kapelle in einer über fünf Jahre dauernden Arbeit ein außerordentliches Kunstwerk geschaffen, das komplett aus keramischem Ton hergestellt und das über 300 m2 groß ist. Die Darstellung basiert lose auf der biblischen Geschichte des Wunders der 5 Brotlaibe und der 5 Fische: der Speisung der Zehntausend. Auch die fünf hohen Glasfenster dieser Kapelle wurden vom Künstler gestaltet. Sie vermitteln uns das Gefühl, unter dem Meeresspiegel nach oben, zum Licht zu blicken.
Vielleicht sind Sie nicht gerade eine kirchgehenden Person. Trotzdem gibt es keinen Zweifel, daß Miquel Barcelós Kreation im Rahmen der zeitgenössischen Kunst des 21. Jahrhunderts absolut passend ist für die Ausgestaltung einer Kirchenapsis. Man muß Barceló konzidieren, daß er mit Behutsamkeit und viel Respekt für die Historie der Kathedrale einen würdigen Raum der Andacht geschaffen hat.
Eine beachtliche künstlerische Leistung.
Es gibt ein schön gemachtes Buch über Barcelós Werk in der Kathedrale von Palma, das in einer katalanischen als auch in einer spanischen Version herausgegeben wurde, mit Übersetzungen jeweils auch in englisch, französisch und deutsch. Es ist seinen Preis von € 35 sicher Wert.
Mallorcas Bourgeoisie ist sehr Stolz auf diesen Künstler, hat aber nicht viel Ahnung von zeitgenössischer Kunst. Ich hingegen halte nicht allzuviel von Barcelós Talent als Maler. Ich halte ihn für eklatant überbewertet, was seine großformatigen Leinwände angeht, die seinen Ruhm begründet haben. Ich habe aber schon immer seine Papierarbeiten, insbesondere seine Aquarelle, geschätzt, und ich bewundere auch seine dreidimensionalen Keramikarbeiten, von denen er etliche vor einigen Jahren im Louvre-Museum in Paris ausgestellt hat.
Die Inszenierung Barcelós in der Kathedrale von Palma verdient jedoch meine uneingeschränkte Anerkennung.
Sehen Sie sich die Kapelle bei nächster Gelegenheit einmal an und bilden Sie sich selbst ein Urteil.
