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Spaniens ‘Santos’ und ihr Einfluß im Alltag

15 Oktober 2007 · Kommentar schreiben

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Spanien ist ein Land, in dem die Religion traditionellerweise schon immer eine wichtige Rolle im täglichen Leben gespielt hat, und das auch heute noch tut. Weit mehr etwa als in nordeuropäischen Ländern, viel mehr. Die Religion in Spanien war seit den Tagen der Inquisition ausschließlich Römisch-Katholisch, und dies insbesondere seit der Zeit des Ignatius von Loyola (um 1540). Das ist, grob gesagt, schon 500 Jahre her.

 

Ein wesentlicher Unterschied zu dem Leben, wie wir Nicht-Katholiken es kennen, ist der Namens-Heilige oder der Schutzpatron.

Jedes spanische Kind wird nach der Geburt auf einen Namen getauft, der in den allermeisten Fällen durch die Familientradition vorgegeben wird. Diese Tradition besagt, daß dem ältesten Sohn der Name des väterlichen Großvaters gegeben wird, und der ältesten Tochter der Name der mütterlichen Großmutter. Der zweitälteste Sohn erhält den Names des mütterlichen Großvaters, und die zweitälteste Tochter den Name der väterlichen Großmutter. Und so weiter.

 

Daraus ergibt sich dann zwangläufig die Folge, daß man von einer Vielzahl von Miguels, Jaimes, Pedros, Antonios, Tomeus und Juans umgeben ist. Und von jeder Menge von Marías, Catalinas, Joannas, Antonias, Barbaras, Claras und Magdalenas. Ein paar Dutzend Namen wiederholen sich immer wieder.

All diese Namen gehen natürlich auf die katholischen Heiligen, die Santos, zurück. Im Jahreskalender wurde jedem Tag mindestens ein Heiliger zugeordnet, und das Kind, das den Namen dieses oder dieser Heiligen trägt, feiert den Namenstag dieses Santos mit der gleichen Inbrunst, wie es den eigenen Geburtstag feiern würde. Weil man in Spanien aber mehr Geschenke zum Namenstag bekommt als am Geburtstag, kann man sich schnell ausmalen, welcher Tag dem Kind nun wichtiger scheint.

 

Zum Beispiel wird heute der Tag der heiligen Santa Teresa de Jesús begangen. Gestern war es Sankt Calixt, und morgen wird es Santa Eduvigis sein. Herzlichen Glückwunsch.

Wenn man sich etwas genauer umsieht in Spanien, wird man feststellen, daß man kaum einmal auf eine Rebecca trifft oder einen Ruben. Es kommt schon einmal vor, aber wenn, dann nur äußerst selten. Viel häufiger trifft man auf einen Vicente oder einen Gregorio. Oder eine Teresa oder eine Apolónia.

Natürlich sind auch die Kirchen hier meistens nach einem der vielen Heiligen benannt. Die Basilika des San Francisco, zum Beispiel, oder das Oratorium des Sant Blai. Oder die Pfarrkirche von San Nicolas.

Es sieht fast so aus, als wären mehr Kirchen nach Santos als nach Santas benannt, aber das wäre vielleicht einmal ein anderer Blog-Eintrag, später mal, falls ich die Zeit dafür finde.

 

Jedenfalls spielt der jeweilige eigene Schutzpatron eine sehr wichtige Rolle in Ihrem ganzen Leben, wenn Sie denn nun in Spanien leben oder geboren sind, oder wenigstens in einem katholischen Land. Sie feiern den Namenstag Ihres Santos bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Außerdem wohnen Sie in einer Kirchengemeinde, die wiederum ihren Schutzpatron hat, und Sie leben in einem Pueblo, das auch wieder einen Heiligen als Patron hat.

Santanyí, zum Beispiel, hat San Jaume als seinen Heiligen. Felanitx, wo ich lebe, hat San Augustín. Und Palma de Mallorca hat San Sebastian. Jedesmal ein Feiertag. Das mag den Meisten von uns vielleicht etwas verwirrend scheinen, aber es ist ein wichtiger Bestandteil des Alltags für die Leute in Spanien, auch für Ihren unmittelbaren Nachbarn hier im Ort, es sei denn, der sei Schwede, Deutscher oder Holländer. Oder Marrokaner, was ja auch sein könnte.

Derjenige aber in Spanien, der Erstgeborener ist in einem Dorf, dessen Schutzpatron z. B. San Pedro ist, dessen väterlicher Großvater Pedro hieß und der zum Gottesdienst in seine Pfarrkirche geht, die auch nach Sankt Peter benannt ist, hat einfach Pech gehabt. Er wird leider nur einmal im Jahr seinen Namenstag feiern können. Wenigstens bleibt ihm dann noch sein Geburtstag.

 

An dieser Stelle möchte ich auch unsere muslimischen Nachbarn zur Vollendung ihrer Fastenzeit beglückwünschen, und zu den Eid al-Fitr Festlichkeiten, mit denen das Ende von Ramadan gefeiert wird.

 

Kategorien: Heilige · Mallorca · Religionen · Spanien

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