Die meisten Leute gehen wahrscheinlich davon aus, daß es nur einen bestimmten ‘Camino de Santiago’ gibt. Sie haben vielleicht ein Buch gelesen, wie z. B. das von Shirley MacLaine, Der Jakobsweg, und deshalb nehmen sie an, daß das der richtige Weg sei, oder sogar der einzige, um den Jakobsweg zu pilgern. Oder sie kennen vielleicht das Buch von Paulo Coelho, Auf dem Jakobsweg. Oder das Buch von Hape Kerkeling, Ich bin dann mal weg. Und dann denken viele, das sei der einzige Camino. Aber dem ist nicht so. Viele Wege führen nach Rom, und viele Caminos führen nach Santiago de Compostela. Es gibt nämlich mehr Jakobswege nach Santiago in Nordspanien, als man zählen kann. Tatsächlich gibt es Hunderte von Jakobsweg-Routen von überall her in Europa.
Die am Weitesten verbreitete Meinung ist wohl die, daß der Jakobsweg, den Shirley MacLaine genommen hat, der eigentliche Camino sei. Diese Route heißt ‘Camino Francés’ und erstreckt sich von Saint Jean-Pied de Port in Südfrankreich und über die Pyrenäen und durch Roncesvalle über Pamplona, Burgos und León nach Santiago. Dieser ‘Camino Francés’ scheint der am Meisten frequentierte Jakobsweg in heutiger Zeit zu sein. Gegenwärtig wird dieser Camino von etwa 85.000 Pilgern jährlich gewandert, aus einer Gesamtzahl von circa 200.000 Pilgern pro Jahr.
Der ‘Camino del Norte’ ist aber älter als der ‘Camino Francés’. In der Zeit von al-Andaluz, wie Spanien während der Zeit der Besetzung durch die Mauren hieß, konnten die christlichen Pilger jener Tage den ‘Camino Francés’ nur stellenweise benutzen, weil weite Strecken Mittelspaniens in islamischer Hand waren, während der ‘Camino del Norte’ entlang der Nordküste Spaniens nicht von den Muslims kontrolliert wurde und deshalb sicherer war, um eine Pilgerreise zu begehen.
Der allerälteste Jakobsweg ist aber dem Vernehmen nach der ‘Camino Primitivo’. Dieser Jakobsweg stammt aus dem späten 10. Jahrhundert aus der Zeit, als die Gebeine des heiligen Apostels Jakobus ursprünglich in Santiago de Compostela gefunden wurden. Der sogenannte primitive Jakobsweg beginnt in Oviedo in Asturien, und führt dann über eine recht bergige Strecke über Fonsagrada und Lugo nach Santiago.
Es gibt aber auch einen ‘Camino Inglés’, einen ‘Camino Portugués’, einen ‘Camino de Levante’ und einen ‘Camino Mozárabe’. Und es gibt die ‘Vía de la Plata’ Route, die in Sevilla beginnt die und dann ihren Weg nach Norden findet. Es gibt Jakobsweg-Routen, die in Paris starten, in Vézelay beginnen, von Le Puy-en-Velay in Frankreich aus ihren Weg suchen, und es gibt eine Arles-Route und auch einen Jakobsweg durch die Schweiz. Es ist nicht genug Platz hier, um alle einzelnen Jakobswege zu nennen, aber es gibt auch Caminos von Oslo, von Prag, von Budapest und von Rom aus, sowie einen, der in Jerusalem begann. Schauen Sie einfach einmal auf die folgende Landkarte der europäischen Caminos, und Sie können sich selbst ein Bild machen.

Worum es von Anfang an wohl ging im Mittelalter, und was vielleicht auch heute noch irgendwo seine Gültigkeit hat, ist der Gedanke, daß der Jakobsweg zuhause beginnt, am Wohnort des Pilgers, wo immer der nun wohnt. Im übertragenen Sinn ist das sicher ein guter und richtiger Leitsatz.
Es gibt eine ganze Anzahl von Büchern zu der Thematik des Jakobsweges; drei davon habe ich oben schon genannt. Es gibt auch eine Anzahl von brauchbaren Websites mit jeder Menge guter Information, falls es das ist, was man sucht. Ich fand die Website der ‘The Confraternity of Saint James’ außerordentlich hilfreich, aber die ist leider in Englisch. Mein anderer Favorit war ‘Mundicamino’, aber die wiederum sind nur wirklich auf Spanisch brauchbar. Mundicamino bietet auch Versionen in Englisch, Deutsch, Italienisch, Französisch und Japanisch an, aber Sie können das gerne selbst in Augenschein nehmen; das ist nicht wirklich hilfreich.
Eine rein deutschsprachige Website kann ich Ihnen nicht wirklich aus meiner eigenen Erfahrung nennen, obwohl es die sicher gibt. Die wäre für mich auch nicht so wirklich passend gewesen, weil ich ja, auf Mallorca wohnhaft, von Spanien aus starten wollte, was sicher nicht auf alle Leser dieses Blogs zutreffen wird. Aber um es Ihnen leichter zu machen, sehen Sie sich vielleicht einmal die Website der Jakobsweg-Leute an (link). Hier wird jedenfalls eine Menge an Informationen angeboten.
Obwohl ich seit zwanzig Jahren in Spanien lebe, fand ich das Sprachengewirr in Nordspanien eigentlich ziemlich verwirrend. Dennoch kommt man letzten Endes mit Hoch-Spanisch überall einigermaßen klar. Ich kann nicht beurteilen, wie es Jemandem ergehen würde, der des Spanischen nicht mächtig ist. Aber: wo ein Wille ist, ist sicher auch ein Weg.
Nach langem Hin und Her hatte ich mich letztendlich entschieden, den ‘Camino del Norte’ als Route für meinen persönlichen Jakobsweg zu wählen, im Baskenland beginnend.
Ich habe vor Kurzem an dieser Stelle schon einen kurzen Blogeintrag über meinen Camino in’s Netz gestellt. Ich werde wahrscheinlich auch später noch einige weitere Eindrücke nachliefern für all die, die das vielleicht interessiert.
Der Jakobsweg ist ja nun einmal eine sehr packende Angelegenheit, erst einmal thematisch, und dann ganz sicher auch in der Realität der pilgernden Seele.

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