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Darf ich Ihnen Junípero Serra vorstellen, den Missionar aus Mallorca?

7 Oktober 2007 · Kommentar schreiben

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1769 gab es zwei Päpste, einen in Avignon und einen zweiten in Rom. Avignon gehörte damals noch zum Königreich von Sizilien. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren nicht noch gegründet, und noch nicht einmal angedacht.

 

Die Westküste dessen, was heute die USA sind, war noch nicht von Europäern bewohnt, und war politisch noch nicht von den damaligen Weltmächten in Beschlag genommen worden.

Papst Clemens VI aus Avignon bzw. die Kirche hatten irgendwie Wind davon bekommen, daß eine Eroberung der amerikanischen Nordwestküste durch die Russen geplant sei. Geschwindigkeit und Raffinesse waren jetzt von entscheidender Bedeutung.

Die katholische Kirche, die zu jener Zeit politisch sehr einflußreich war, bat den spanischen Klerus um Hilfe. Spanien war eine große seefahrende Macht, die auf den Meeren erfahrener war als Italien und die sich bereits in den Amerikas auskannte. Und Avignon wurde erst 1791 wieder Frankreich eingegliedert, als der Papstsitz zurückging nach Rom.

Der mallorkinische Mönch Junípero Serra hatte schon 1749 beschloßen, Missionar zu werden. 1750 stach er von Cadiz in Spanien aus in See und kam im gleichen Jahr in Vera Cruz in Mexiko an. Mexiko war damals bereits spanisches Gebiet unter den Fittichen der katholischen Kirche.

Von Vera Cruz ging Junípero Serra mit seinen Mönchen stolze 442 Kilometer zu Fuß nach Mexiko-City. Das klingt für die meisten von uns nach einer ziemlich weiten Strecke, aber wer einmal den Camino de Santiago mit einer Gesamtlänge von 850 km zu Fuß gegangen ist, wie ich das vor kurzem getan habe, der sieht das alles als eher relativ an. Und sich wegen der Dauer einer langen Reise große Gedanken zu machen, war im 18. Jahrhundert nicht das Entscheidende. Es gab damals vermutlich allerdings weniger Herbergen in Mexiko, als das heute entlang des Caminos der Fall ist.

 

Sechs Monate nach seiner Ankunft in Vera Cruz wurde Serra in Jalpan (Mexiko) zum Missionspastor ernannt. Bis 1768 hatte er dann bei der Gründung von fünf christlichen Missionen in Mexiko mitgewirkt.

1768 führte Junípero Serra noch eine Expedition nach Baja California an, einer mexikanischen Halbinsel, wo noch zwei weitere Missionen gegründet wurden.

1769 wurde er, jetzt wegen der Russland-Sache, beauftragt, sich einer Expedition nach Alta California anzuschließen, dem Gebiet, das dem heutigen Kalifornien, USA, entspricht. Dort gründete er die ersten neun von insgesamt 21 kalifornischen Missionen: San Diego de Alcalá, San Carlos Borromeo de Carmelo, San Antonio de Padua, San Gabriel Arcángel, San Luis Obispo de Toloso, San Francisco Solano, San Juan Capistrano, Santa Clara de Asis und San Buena Ventura (heute: Los Angeles). Durch diese Missionsgründungen wurde faktisch der gesamte Landstrich für die katholische Kirche und damit für Spanien reklamiert.

Hier ist eine Landkarte der 21 kalifornischen Missions-Stationen:

 

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Junípero Serra verbrachte insgesamt 34 Jahre in Mexiko und Kalifornien. Er starb 1784 im Alter von 70 Jahren in der Mission von San Carlos Borromeo, wo er auch begraben liegt.

 

1988 wurde er von dem seinerzeitigen Papst selig gesprochen.

 

Die Eroberung Kaliforniens durch Russland wurde letztlich nie erfolgreich in Angriff genommen. Aber ohne Junípero Serra wären die USA heute wohl kaum von der kontinentalen Ausdehnung, wie wir sie heute kennen. Auch die geschichtliche Entwicklung Kaliforniens hätte zweifellos letztlich einen ganz anderen Kurs nehmen können.

Die Rolle Junípero Serras wird in den USA schon lange gewürdigt, wo Junípero Serra eine große Fangemeinde hat und wo ihm auch das Renommee eines Gründungsvaters des Staates Kalifornien anhaftet. Im Parlamentsgebäude von Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, ist eine Statue in seinen Ehren errichtet. Die größte Junípero-Serra-Vereinigung der Welt ist heute in Santa Barbara (USA) beheimatet.

Der Ort Petra in Mallorca ist der Geburtsort Junípero Serras. In diesem Ort gibt es ein Junípero-Serra-Museum. Ein Besuch lohnt sich für all die, die sich für einen geschichtlich außergewöhnlichen Mallorkiner interessieren. Hundert Meter weiter, auf der gleichen Dorfstraße Petras, kann auch das Geburtshaus Serras besucht werden, wo ich das Foto (oben) aufnahm.

Vor 10 Jahren, im Juli 1997, war William Jefferson Clinton, damaliger Präsident der US of America, zu Besuch in Spanien. Er kam auch nach Mallorca, um den spanischen König Juan Carlos zu treffen, der in Mallorca immer seinen Sommerurlaub verbringt. Clinton hatte den Mallorkinern schon bei einem früheren Besuch sein Versprechung gegeben, bei der nächsten Gelegenheit Petra einen Besuch abzustatten und Junípero Serras Geburtshaus zu besuchen.

Die guten Leute von Petra warten leider heute immer noch auf den Besuch des amerikanischen Präsidenten. Angeblich war Clinton stattdessen lieber eine Runde Golf spielen gegangen.

 

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