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Ein paar Worte über Spanien

1 Oktober 2007 · Kommentar schreiben

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Spanien ist ein wunderschönes Land.

Vor kurzem bin ich entlang des Caminos de Santiago gepilgert und habe dabei Hunderte von Kilometern der Landschaften Nordspaniens bewandert und bewundert, hauptsächlich in Kantabrien, Asturien und Galizien. Und im Baskenland. Mehr darüber in Kürze auf diesem Blog.

Die atlantische Küste im Norden Spaniens und auch die Westküste sind ganz anders als die Landschaften des Mittelmeers, wo ich normalerweise lebe (auf Mallorca). Die atlantische Seite von Spanien erlebt sich, nach meiner Meinung, wie ein ganz anderes Land. Da ist es auch nicht verwunderlich, daß man im Norden Spaniens eine andere Sprache spricht, zumindest in einigen Gebieten. Zumindest habe ich das manchmal so erlebt.

Auch die Essgewohnheiten in Nordspanien sind ganz anders. Hier gibt es keine Sobrassada wie auf Mallorca, kein Frito, keine Butifarron. Auch keine Ensaïmada. Spanferkel gibt es hie und da, und natürlich auch die überall gegenwärtige Paella. Zum Glück kann man auch den guten spanischen Vino Tinto überall für 60 Cent für eine Copa bekommen, und manchmal sogar schon für 40 Cent.

Was man entlang des Caminos wirklich findet, oder – nach meiner Meinung – auf jedem Weg und bei jeder Reise, ist die erstaunliche Schönheit und die Verschiedenartigkeit dieses riesengroßen Landes. Dies ist ein Land, das ganz anders ist, als das Bild, das man sich von Spanien normalerweise macht.

Man stellt sich Spanien normalerweise als heißes, stellenweise fast tropisch heißes Land vor. Im Norden Spaniens, an der atlantischen Küste, trifft man aber das genaue Gegenteil: viel Regen, auch Schnee, fast wie in Süddeutschland, das viel weiter nördlich gelegen ist, und ein wohltuendes Grün, wohin man schaut. Oder im Süden Spaniens, in Andalusien: Schnee auf den Bergen der Sierra Nevada, fast das ganze Jahr über.

In den Picos de Europa in Kantabrien und Asturien kann man sich gelegentlich vorkommen wie in den Bergen Norwegens, oder in den Alpen, anstatt mitten in Spanien.

Die Andersartigkeit der Bevölkerung traf mich ganz unerwartet, genauso wie die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Landschaften Spaniens.

 

Der Unterschied zwischen Madrileños und den Katalalanen Barcelonas ist einem ja fast schon geläufig. Die Hauptstadt der spanischen Nation mit ihrer eleganten und geschäftsmäßigen Haltung im Vergleich zur ansteckenden Kreativität in Barcelona kennt man ja schon, aber Orte in der Extramadura, in Kantabrien, Galizien oder im Baskenland, Städte wie Santander oder Bilbao, sind wieder ganz anders, und man versteht schnell, daß es Unterschiede in der Bevölkerung gibt, die hier vor unterschiedlichen Hintergründen, verschiedenen geschichtlichen Gegebenheiten und ganz anderen sozialen Eigenschaften leben.

Aus der Nähe betrachtet ist es manchmal einfacher, zu verstehen, weshalb in einigen Gebieten von Spaniens andere Sprachen gesprochen werden als Spanisch. Eigenständige Sprachen, wie etwa das Baskisch, nicht etwa Dialekte.

Die herzliche Freundlichkeit der Leute in den nordspanischen Gebieten, mit denen ich direkten Kontakt hatte, war zum Teil überwältigend. Vielleicht lag es auch daran, daß ich als Pilger unterwegs war.

Spanien ist immer noch ein eher konservatives Land, in dem in der Regel die Bindung zur erweiterten Familie noch nicht verloren ist und wo auch andere soziale Werte noch an der richtigen Stelle zu sein scheinen, die in anderen europäischen Nationen vielleicht schon vor 20 oder 30 Jahren verloren gegangen sind. In Spanien ist die Großfamilie noch Tradition. Mahlzeiten werden, zumindest am Wochenende, noch mit den Eltern und Großeltern, mit Onkel und Tanten und vielen Verwandten, in großer Runde eingenommen.

So kommt als mir auch als nicht überraschend vor, wenn es oft scheint, daß mein Mallorca manchmal so wenig gemein zu haben scheint mit dem Rest Spaniens.

Nach außen scheint Spanien vereint und, dank der eisernen Hand des Caudillo Franco, vereinigt, aber unter der Oberfläche gibt es erhebliche Unterschiede und Eigenarten, die mir möglicherweise als größer scheinen als etwa in Frankreich oder Großbritannien, oder auch Deutschland. Es könnte sein, daß die Integration Spaniens innerhalb des europäischen Anschlußes mehr zur spanischen Einheit und zur nationalen Befriedigung getan hat, als die Strenge und manchmal Brutalität, die das Land vierzig Jahre lang unter der Diktatur Francos erlitten hat; eine Geschichte, die jetzt seit über 30 Jahren glücklicherweise zur Vergangenheit zählt.

Sollten Sie die Gelegenheit haben, das spanische Festland zu bereisen, dann sollten Sie das tun. Spanien ist eine Reise wert, glauben Sie mir.

 

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